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Der Cyber Resilience Act (CRA) und dessen Auswirkung auf den Machinenbau

Andreas Schunkert • 22. November 2024

Cyber Resilience Act: Auswirkungen auf den Maschinenbau


Mit der zunehmenden Digitalisierung in der Industrie wächst auch die Bedeutung von Cybersecurity. In diesem Kontext spielt der Cyber Resilience Act (CRA) eine entscheidende Rolle, insbesondere im Maschinenbau. Der CRA ist Bestandteil der neuen Maschinenverordnung der Europäischen Union und zielt darauf ab, die Cyberresilienz von Maschinen und industriellen Systemen zu stärken. In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Aspekte des Cyber Resilience Acts und seine Auswirkungen auf die Maschinenbauindustrie.


Was ist der Cyber Resilience Act?


Der Cyber Resilience Act ist ein bedeutendes legislatives Instrument der EU, das darauf abzielt, ein hohes Maß an Cybersecurity für Produkte, die in der EU auf den Markt gebracht werden, zu gewährleisten. Der Gesetzestext fordert Hersteller auf, sicherzustellen, dass ihre Produkte von Anfang an sicher gestaltet werden, wobei der Fokus auf der Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe liegt. Insbesondere für Maschinenbauer bedeutet dies, dass sie bei der Entwicklung und dem Betrieb ihrer Produkte neue Sicherheitsstandards einhalten müssen und das Thema Cybersecurity auf alle Fälle mit betrachten müssen.

Nachfolgen ist der Zeitplan für den CRA dargestellt. Wie hieraus ersichtlich wird, ist die Umsetzung ein etappenweiser Prozess, welcher im November 2027 vollständig abgeschlossen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt sind alle Anforderungen des CRA umzusetzen.

Abbildung 1: Zeitlicher Ablauf für die Einführung des CRA (Quelle: BSI) (KBS = Konformitätsbewertungsstelle)


Cyber Resilience Act und die Maschinenverordnung


Der Cyber Resilience Act ist eng mit der neuen Maschinenverordnung verbunden, die darauf abzielt, die Sicherheit und Gesundheit von Personen sowie den Schutz der Umwelt durch risikobasierte Ansätze in der Maschinenentwicklung zu fördern. Da Maschinen und Anlagen zunehmend vernetzt sind, wird Cybersecurity zu einem wesentlichen Bestandteil der unter der Maschinenverordnung harmonisierten Normen. Unternehmen im Maschinenbau müssen sich an die neuen Vorschriften anpassen, damit sie weiterhin konforme Produkte auf den Markt bringen können.


Auswirkungen auf den Maschinenbau


  1. Erhöhte Haftung für Hersteller: Der CRA definiert klare Verantwortlichkeiten für Hersteller, wodurch sie rechtlich verpflichtet sind, Sicherheitsanforderungen in den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte zu integrieren. Dies kann zu Änderungen in den Entwicklungsprozessen führen, da Sicherheitsaspekte nun von Anfang an berücksichtigt werden müssen.
  2. Investitionen in Cybersecurity: Um den Anforderungen des CRA gerecht zu werden, müssen Maschinenbauer möglicherweise erhebliche Investitionen in Cybersecurity-Technologien und -Schulungen vornehmen. Dies schließt sowohl die Implementierung von Sicherheitslösungen als auch Schulungen für Mitarbeiter im Bereich Cybersecurity ein.
  3. Marktzugang: Die Nichteinhaltung der neuen Richtlinien des CRA kann den Marktzugang gefährden. Maschinenbauer, die die Anforderungen nicht erfüllen, riskieren, dass ihre Produkte nicht für den europäischen Markt zugelassen werden. Das stellt eine wesentliche Herausforderung dar, insbesondere für kleinere Unternehmen, die möglicherweise nicht über die erforderlichen Ressourcen verfügen.
  4. Förderung von Innovation: Trotz der Herausforderungen bietet der Cyber Resilience Act auch Chancen für Innovation. Unternehmen, die in Cybersecurity investieren und neue, sichere Lösungen entwickeln, können sich in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt differenzieren und neue Geschäftsfelder erschließen.


Fazit


Der Cyber Resilience Act ist ein entscheidender Bestandteil der neuen Maschinenverordnung und hat weitreichende Implikationen für den Maschinenbau. Während die Umsetzung der neuen Vorschriften eine Herausforderung darstellen kann, bietet sie auch die Möglichkeit, die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Maschinen zu erhöhen und damit das Vertrauen von Kunden und Partnern zu fördern. Hersteller im Maschinenbau sind gut beraten, sich frühzeitig mit den neuen Anforderungen auseinanderzusetzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Cyberresilienz zu stärken.


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Einleitung Kollaborative Roboter, oder Cobots, haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt. Sie bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine, insbesondere in der Fertigung und Automatisierung. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte und Entwicklung des Cobotmarktes, angefangen von den Anfängen mit wenigen Herstellern bis hin zu den heutigen, vielfältigen Marktangeboten und den Herausforderungen in Bezug auf Normen. Die Anfänge der Cobots Die ersten Kollaborationsroboter wurden in den frühen 1990er Jahren entwickelt. Pioniere wie Kiva Systems und Universal Robots (UR) legten damals den Grundstein für eine neue Ära der Robotik. Die Technologien waren jedoch noch in einem sehr frühen Stadium, und die Anwendungen waren begrenzt. 1996: Der erste Cobot, das „Robot Arm“ von Professor Harry Mak, wurde entwickelt. Diese Roboter waren darauf ausgelegt, sicher in der Nähe von Menschen zu operieren und einfache Aufgaben zu übernehmen. 2000er Jahre: Universal Robots (gegründet 2005) stellte 2008 den UR5 vor, der durch seine Flexibilität und Benutzerfreundlichkeit besticht und vielen Unternehmen den Einstieg in die Automatisierung mit Cobots erleichtert hat. Herausforderungen und Normenlage Ein wesentliches Hindernis in den frühen Jahren der Cobot-Entwicklung waren die uneinheitlichen Normen und Sicherheitsvorschriften. Der Mangel an klaren Richtlinien führte zu Unsicherheiten bei der Implementierung und Nutzung von Cobots. Sicherheitsbedenken: Unternehmen waren besorgt, dass Cobots, die in direkter Zusammenarbeit mit Menschen operieren, zu Verletzungen führen könnten. Dies führte zu einer Skepsis gegenüber der Technologie. UN-ISO-Normen: Die internationale Normenorganisation begann, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Notwendigkeit für einheitliche Normen wurde zunehmend erkannt, um eine sichere und effiziente Entwicklung der Cobots zu gewährleisten. Fortschritte in der Normierung Ein entscheidender Schritt in der Entwicklung des Cobotmarktes war die Einführung spezifischer Normen. Ein Meilenstein war die Veröffentlichung der ISO/TS 15066 im Jahr 2016, die erstmals umfassende Sicherheitsrichtlinien für Cobots bereitstellte. Diese Norm definiert, unter welchen Bedingungen und wie Cobots sicher in Zusammenarbeit mit Menschen eingesetzt werden können. Im Jahr 2025 wurde die ISO/TS 15066 nun in die aktualisierte ISO 10218-2:2025 integriert, was den Cobots eine noch breitere Akzeptanz und Standardisierung im Markt verschafft. Der heutige Cobotmarkt Heute ist der Markt für Cobots stark gewachsen, sowohl in der Anzahl der Hersteller als auch in der Vielfalt der angebotenen Produkte. Cobots sind jetzt in vielen Branchen anzutreffen, von der Automobilproduktion bis hin zur Elektronikfertigung, und bieten Unternehmen flexible Lösungen zur Automatisierung. 10 verbreiteste Cobot-Hersteller Hier ist eine Liste der 10 bekanntesten Cobot-Hersteller weltweit: Universal Robots – Pionier im Cobot-Bereich mit verschiedenen Modellen wie UR3, UR5 und UR10. KUKA – Bekannt für ihre industriellen Roboter und Kollaborationslösungen. Rethink Robotics – Hersteller des berühmten Cobot „Baxter“ FANUC – Bietet eine breite Palette von Robotern einschließlich Cobots. Yaskawa – Hersteller von Industrierobotern, einschließlich Cobot-Lösungen. ABB – Bietet verschiedene Cobot-Modelle, die für Zusammenarbeit mit Menschen ausgelegt sind. Techman Robot – Kombiniert Roboterarm mit einer integrierten Kamera zur intelligenten Automatisierung. Doosan Robotics – Südkoreanischer Hersteller von Cobots, bekannt für Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit. Denso Robotics – Bietet Cobots mit Fokus auf Effizienz. Nachi-Fujikoshi – Umfasst robuste und sichere Cobot-Optionen.
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